Selbstverständlich besteht diese Sünde nicht im Raub eines Apfels, den Gott zu greifen verboten hätte. Dieser „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ erinnert sinnbildlich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch freiwillig anerkennen und vertrauensvoll achten soll. (KKK 396) Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln. Bitten wir den Heiligen Geist, uns diese von Ihm inspierte Lehre tief verstehen zu lassen. Die in Frankreich aktuelle Debatte zur Homo-Ehe ist keine politische Debatte sondern eine Debattte, die den Respekt des Plans Gottes, des Schöpfers über die Ehe und die Familie betrifft. Es gibt ein unüberwindbare Grenze, die der Mensch erkennen und vertrauensvoll respektieren soll: das natürliche Sittengesetz, dessen Fundament Gott der Schöpfer ist.

Verstehen wir auch tiefer den wichtigen Abschnitt 405. Das mit der Erbsünde geborene Kind ist für diesen Zustand, der „Erbsünde“ genannt wird, nicht verantwortlich. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Sündenfall, der persönlichen Sünde Adams und Evas und der Erbsünde „einem jeden eigen“, die eine „Ermangelung der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit“ ist. Oder einfacher : Der erste Mann und die erste Frau wurden von Gott nach seinem Ebenbild geschaffen. Die ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit, die sie genossen, waren selbstlose Gaben Gottes. Sie waren der menschlichen Natur nicht eigen. Der Mensch kann nicht fordern, Gott zu sein, weil er Gottes Geschöpf ist. Durch den Sündenfall haben Adam und Eva der Schlange zugehört und von sich gewünscht, wie Gott zu werden. Sie haben Gott nicht gehorcht, indem sie in einer gewissen Weise das Gesetz Gottes und dessen Fundament verworfen haben: Gott selber; die persönliche Sünde Adams und Evas hat sie den Zustand der heilmachenden Gnade verlieren lassen. Dieser Verlust hat eine schlimme Folge in der menschlichen Natur gehabt. Von nun an wird diese Natur allen Nachkommen ohne diese Gnade und mit der dreifachen Begierlichkeit weitergegeben werden.

Vertiefen wir den Abschnitt 407 mit einem sehr offenen und vertrauensvollen Herzen und wir werden die Lage und das Wirken des Menschen in unserer Welt besser verstehen. Mögen die Erzieher den letzten Satz in ihre Herzen einprägen :

„Zu übersehen, dass der Mensch eine verwundete, zum Bösen geneigte Natur hat, führt zu schlimmen Irrtümern im Bereich der Erziehung, der Politik, des gesellschaftlichen Handelns und der Sittlichkeit.“

Die Kirche ist nicht „pessimistisch“, wenn sie mit Autorität das Dogma der Erbsünde lehrt aber sie ist der göttlichen Offenbarung treu. Lassen wir uns weder verwiren, noch verführen durch alle theologischen Theorien dieser letzten fünfzig Jahre, die die Lehre des Konzils von Trient neu interpretieren wollen. In der Tat handelte es sich nicht um neue Interpretationen sondern um Untreue des Lehramts der Kirche! Wenn man diese dogmatische Lehre verweigert, kann man das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis auch nicht verstehen.

Der heilige Bernhard und der heilige Thomas von Aquin, die der Realität der Erbsünde und deren Folgen bewusst waren, hatten das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis nicht verstanden. Für sie war jedes durch die eheliche Vereinigung eines Manns und einer Frau empfangene Kind von den Erbsündefolgen notwendigerweise geprägt. Die Kirche hat dogmatisch gelehrt, dass es eine Ausnahme in unserer Geschichte gibt: Die Jungfrau Maria wurde ohne Erbsünde empfangen. Sie ist die Unbefleckte Empfängnis.

Mit unserer Lieben Frau vom Schnee singen wir diese Stelle des Exultet: „o glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du verdient!“ Die marianische Adventszeit ist die Zeit der Hoffnung. Wir sind von der Erbsünde und unseren persönlichen Sünden geprägt aber wir vertrauen auf die Gnade Jesu, unseres Erlösers.